Unsere Welt ist voll von akustischen Reizen, die über unsere Ohren zu uns dringen. Aber wie genau funktioniert das Ohr? Welche technischen Hilfsmittel gibt es, falls die Ohren Unterstützung brauchen?
Und was genau passiert eigentlich beim Hörakustiker? Diese und noch viele weitere Fragen beantwortet Ihnen unser Hör-Lexikon!

A B C E F G H I L M O S T W
  • Audiologisches Vorgespräch

    Das audiologische Vorgespräch dient dem Vertrauensaufbau zwischen Hörgeräteakustiker und Kunden, der Erfragung von Kundenwünschen und der Erhebung von Daten. Diese bilden neben Audiometrie, Otoskopie (ins Ohr schauen) und Otoplastik (Möglichkeiten eines Ohrpassstückes) die eigentlichen Grundlagen für die spätere Anpassung, um letztlich ein, den Kundenwünschen entsprechendes Hörgerät für die Ausprobe auswählen zu können.

  • Ausbildung

    Die Ausbildung zum Hörgeräteakustiker dauert drei Jahre und beinhaltet die verschiedensten Bereiche, von Anatomie und Funktionsweise des Ohres über die Schall- und Schwingungslehre, die handwerklichen Tätigkeiten, wie das Herstellen eines Ohrpassstückes oder die Reparaturtechnik, bis hin zu Hörgerätetechnik, Betriebswirtschaft, Politik und natürlich Psychologie. Man sieht, der Beruf des Hörgeräteakustikers weist viele verschiedene Facetten& Tätigkeiten auf, die den Berufsalltag abwechslungsreich gestalten. Die vielfältigen Aufgaben, die Mischung aus Handwerk, kaufmännischem Arbeiten und natürlich die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden machen diesen Beruf aus.

  • Ausprobe

    Nachdem man für den Kunden ein passendes Hörgerät ausgewählt und bestellt hat, kann man mit der Ausprobe beginnen. Hierbei sind verschiedene Dinge zu beachten.

    Zuerst einmal wird das Gerät voreingestellt, wobei jedoch nur ein Bruchteil der eigentlichen Zielverstärkung eingestellt wird, damit der Kunde sich nach und nach an das Mehr an Lautstärke und Reizen gewöhnen kann. Diesen Vorgang der Gewöhnung nennt man Akklimatisierung. Nach der Voreinstellung wird das Gerät mit Hilfe des Kunden fein eingestelllt, bis der Kunde sagt, dass sowohl Lautstärke, als auch Klang für ihn subjektiv angenehm sind.

    Bei jedem Hörgerät, welches der Kunde zur Ausprobe mitbekommt, wird ihm die Bedienung, das Einsetzen und die Handhabung ausführlich erklärt 

  • Baha

    Baha (Bone anchered- hearing-aid, Knochenverankertes Hörsystem)
    Hierbei wird ein Vibrationsverstärker entweder über eine Schraube oder über einen Magneten am Kopf befestigt. Das mit dem Mikrofon aufgenommene Signal wird direkt über die Knochenleitung auf das Innenohr übertragen. Mit dieser Variante wird also das Außen- und Mittelohr umgangen.

  • Beratungsgespräch

    Nach der Ton- und Sprachaudiometrie erfolgt das Beratungsgespräch.

    Zuerst werden dem Kunden die drei verschiedenen Hörgeräte-Bauformen und unterschiedlichen Möglichkeiten der Otoplastik (Ohrpassstück) präsentiert,ehe man dann die verschiedenen Hörgeräte erläutert.

  • Cochlea-Implantate

    In Deutschland sind ca. 200.000 Menschen gehörlos, davon etwas weniger als die Hälfte von Geburt an. Beim Großteil der Betroffenen sind die Sinneszellen für die Schallaufnahme nicht funktionsfähig, während der Hörnerv jedoch aktiv ist.

    Bei diesen Fällen und bei besonders hochgradigen Schallempfindungsschwerhörigkeiten können Hörgeräte nicht oder nur unzureichend helfen. Hierbei ist es dann möglich mit Hilfe eines Cochlea- Implantats durch eine direkte Elektrostimulation des Hörnervs akustische Informationen zum Gehirn zu übertragen.

    Die internen Teile des Cochlea-Implantats werden hinter dem Ohr implantiert, während die externen Komponenten außerhalb des Schädels, ähnlich wie ein Hörgerät, sitzen.

  • Corti-Organ

    Das Corti-Organ ist das eigentliche Hörorgan, hier entsteht die Umwandlung von Schallreizen in Nervenimpulse. Das Corti-Organ ist Träger der „Sensorzellen“ und enthält Stützzellen, die die äußeren und inneren Haarsinneszellen schützen bzw. in ihrer Position halten.

  • Cros vs. Bi-Cros

    Schwerhörige, die auf einer Seite taub sind, können Schallsignale, die auf der Seite des tauben Ohres ankommen nicht vollständig oder nur ungenügend wahrnehmen. Der Kunde ist also hauptsächlich von einer Seite ansprechbar. Für solche Fälle wurden die sogenannten CROS- Systeme entwickelt.

    Hierbei wird das Signal am tauben Ohr von einem zusätzlichen Mikrofon aufgenommen und zur anderen Seite an den Empfänger übertragen. Dies ermöglicht es dem Kunden Schallsignale von beiden Ohren wahrgenommen.

    Im Vergleich dazu steht das Bi-Cros-System. Die Bi-Cros-Variante nutzt man, wenn das bessere Ohr ebenfalls einen Hörverlust aufweist. In diesen Fällen wird auf die bessere Seite ein Hörgerät gesetzt und auf die schlechtere Seite, bzw. das taube Ohr kommt das zusätzliche Mikrofon.

  • Ex-Hörer-Gerät

    Bei einem Ex- Hörer- Gerät ist die Technik hinter dem Ohr etwas kleiner, da ein Bauteil des Gerätes, der Hörer, ausgelagert ist und nicht mehr hinter dem Ohr, sondern unter dem Stöpsel im Gehörgang sitzt. Dies bietet uns nicht nur einen relativ natürlichen Klang, sondern verhindert auch einen Verstärkungsverlust. Dies bietet nicht nur einen sehr natürlichen Klang, sondern sorgt auch für spürbar weniger Rückkopplungen.

  • Fernbedienung

    Viele Hörgeräte bieten heutzutage die Möglichkeit einer Fernbedienung, mit Hilfe dieser der Hörgeräteträger sowohl die Lautstärke, so wie die Programme seiner Hörgeräte verändern kann. Ebenfalls kann der Kunde z.B. durch eine Bluetooth-Verbindung sein Handy oder mit Hilfe von Zubehör auch seinen Fernseher mit den Hörgeräten verbinden.

  • Gehörgang

    Der menschliche Gehörgang ist ca. 3,5cm lang und teilt sich in einen äußeren knorpeligen Teil (3/4 der Gesamtlänge) und einen inneren knöchernen Teil. Der knorpelige Teil des Gehörgangs enthält die apokrinen Drüsen, die das Ohrenschmalz produzieren.

  • Gehörschutz

    Lärm schädigt das Gehör: doch Gehörschutz beugt vor!
    In vielen Abschnitten unseres Lebens wird der Mensch mit dem unterschiedlichsten Lärm konfrontiert. Dass dauerhafter Lärm bei hohen Schallpegeln zur Schädigung des Gehörs führt, ist allgemein bekannt.

  • Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO)

    Bei einem Hinter-dem Ohr-Gerät sitzt die Technik des Gerätes hinter der Ohrmuschel, während ins Ohr ein individuell für den Kunden angefertigtes Ohrpassstück kommt. Als Verbindungsstück zwischen beiden Komponenten dient ein dünner Schallschlauch, der unauffällig an der Vorderseite des Ohres vorbeiläuft.

  • Hörbrille

    Bei der Hörbrille werden eine Seh- und Hörhilfe miteinander kombiniert.

  • Hörgeräte-Batterien

    Hörgeräte betreibt man mit Hilfe von Batterien. Doch nicht mit normalen Stabbatterien oder Batterien, die Sie vielleicht bereits aus Ihren Uhren kennen.. Nein, es sind spezielle Hörgerätebatterien, sogenannte Zink-Luft-Batterien. Zink-Luft-Batterien gibt es in vier verschiedenen Größen, je nach Hörgerät. Die Batterien halten 5 bis 14 Tage.

     

  • Hörsturz

    Das typische Merkmal eines Hörsturzes ist eine plötzlich eingetretene Hörverschlechterung, evtl. noch verbunden mit Schwindel oder Ohrgeräuschen (Tinnitus).

    Stellt man diese Symptome fest ist schnellstmöglich ein HNO- Arzt aufzusuchen, um einen eventuellen Hörsturz zu diagnostizieren und falls erforderlich eine medikamentöse Behandlung durchzuführen. Dies bedeutet möglichst innerhalb von 24-48 Stunden, um eine gute Chance auf „Heilung“ zu haben.

  • Hörtest

    Mit Hilfe des Hörtests ermitteln wir den Hörverlust, die Sprachverständlichkeit bei verschiedenen Pegeln, sowie die Unbehaglichkeitsschwelle des Kunden, welche wir zur Einstellung des Hörgerätes benötigen. 

    Optimales Sprachverstehen ist unser wichtigstes Ziel, welches wir mit Hörgerät erreichen möchten. Nach der Messung wird diese ausgedrückt und dem Kunden Schritt für Schritt erklärt. Das Visualisieren hilft dem Kunden oftmals seine Schwerhörigkeit leichter zu verstehen.

  • Im-Ohr-Geräte (IdO)

    Unter einem Im-Ohr-Gerät versteht man ein Hörgerät, wo die Technik des Gerätes im Gehörgang bzw. der Ohrmuschel sitzt. Hierfür wird ein Abdruck vom Gehörgang genommen und dann ein maßgefertigtes Im-Ohr-Hörgerät für den Kunden hergestellt.

  • Innenohr

    Das Innenohr liegt gut geschützt im Felsenbein (Pars petrosa des Schläfenbeins), es ist ein vielgestaltiges System aus Hohlräumen, Gängen und Kanälen. Zum Innenohr zählen die für das Hören wichtige Schnecke, das Corti-Organ, so wie die inneren Bogengänge des Gleichgewichtsorgans mit Sacculus und Utriculus.

    In dieses durch Knochen gebildete knöcherne Labyrinth, ist die häutige Schnecke eingelagert. Sie „schwimmt“ in einer Natrium-Ionen-reichen Flüssigkeit, der Perilymphe. Die häutige Schnecke selber enthält eine Kalium-Ionen-reiche Flüssigkeit, die sogenannte Endolymphe.

    Zum Mittelohr hin weist das Innenohr zwei Öffnungen auf: das „ovale Fenster“ ist durch die Fußplatte des Steigbügels verschlossen und dient als Ankopplungsstelle der  Gehörknöchelchenkette, an der durch Schallwellen ausgelöste Schwingungen auf das Innenohr übertragen werden. 

    Die zweite Öffnung ist das „runde Fenster“, welches jedoch verschlossen ist.

  • Lärm

    Lärm umfasst alle Geräusche, die störend oder gar schädlich sind. Das menschliche Ohr erkennt nicht, ob der ihn umgebende Lärm bereits schädlich ist. Hier spielen oft subjektive Empfindungen des Einzelnen eine wesentliche Rolle: zu laute Musik wird des Öfteren als angenehm empfunden, während ein Presslufthammer bei gleicher Lautstärke mehr als unangenehm ist. Schon Lautstärke ab ca. 85 dB(A) schädigt das Gehör und fördert die Entstehung eines Hörverlustes. Viele Menschen denken, dass das Gehör sich an zu laute Pegel gewöhnt und sie nach einiger Zeit somit nicht mehr schädlich für unsere Ohren sind. Tatsächlich entsteht jedoch bei Aussetzung zu lauter Schallquellen eine unwiderrufliche Schädigung des Innenohres.

    Beispiele für Lärmpegel im Alltag:

    Schalldruckpegel in dB(A):

    150 Startender Düsenjet

    140 Gewehrschuss/ Pistolenschuss

    134 Schmerzschwelle

    130 Sirene, Presslufthammer

    110 Discobesuch

    100 Motorrad

    90 Bohrmaschine

    85 Pegel, ab dem das Gehör geschädigt wird

    80 Straßenverkehr

    65 Durchschnittliche Gesprächslautstärke

    10 Blätterrascheln

    0 Durchschnittliche Hörschwelle eines normalhörenden Menschen

  • Lichtsignalanlagen (LISA-Anlagen)

    Lichtsignalanlagen ermöglichen dem Schwerhörigen mit Hilfe von aufblitzenden Lichtsignalen einen guten Überblick über klingelnde Telefone, Türklingeln, läutende Wecker und schrillende Babysender. Durch die blitzenden Signale verpasst der Schwerhörige ganz sicher keine dieser Informationen wieder.

  • Mittelohr

    Hinter dem Trommelfell liegt die Paukenhöhle. Die Paukenhöhle ist ein, mit dünner Schleimhaut ausgekleideter, pneumatisierter (belüfterer) Raum, der die Gehörknöchelchen enthält. Die Gehörknöchelchenkette, bestehend aus Hammer, Amboss und Steigbügel,  überträgt die Schwingungen des Trommelfells auf das Innenohr und wird durch Bandaufhängung in ihrer Lage gehalten.

  • Ohrpassstück

    Viele Arten und Grade von Hörverlusten kann man nicht mehr „offen“ (also mit Hilfe eines kleinen Stöpsels) versorgen, da diese einerseits nicht mehr die nötige Verstärkung bringen, die wir für die Versorgung unseres Kunden benötigen und uns auch nicht die Abdichtung bietet, die zur Verhinderung von Rückkopplungen erforderlich ist. Aus diesem und auch aus allergischen, motorischen oder komfortablen Gründen fertigt man oftmals ein sogenanntes Ohrpassstück. Ohrpassstücke werden mit Hilfe eines Abdrucks vom Gehörgang gefertigt und passen millimetergenau ins Kundenohr. Es gibt sie in unterschiedlichen Materialien und Formen, die anhand der Beschaffenheit des Ohres, dem Wunsch des Kunden und der Art des Hörverlustes individuell ausgewählt werden. 

  • Schnecke (Cochlea)

    Die Schnecke, die sogenannte Cochlea, teilt sich in 2 ½ Windungen und besteht in ihrem Inneren aus drei Gängen: der Scala vestibuli (Vorhofstreppe), der scala media (Schneckengang) und der Scala tympani (Paukentreppe). Die Gänge sind durch zwei Membranen voneinander getrennt. Nur an der Schneckenspitze, dem Helicotrema sind Vorhofstreppe und Paukentreppe durch ein Loch miteinander verbunden. 

    Die eigentliche „Umwandlung“ von Schallreizen in Nervenimpulse erfolgt im Corti-Organ.

  • Tinnitus

    Summen, Rauschen oder Pfeifen im Ohr. Wer diese Geräusche wahrnimmt hat höchst wahrscheinlich einen Tinnitus.  

    In einigen Fällen werden diese Laute tatsächlich im Körper selber erzeugt, zum Beispiel durch Strömungsgeräusche in unseren Blutgefäßen. Hier spricht man von einem objektiven Tinnitus. Gleich ob objektiv oder subjektiv, der Begriff Tinnitus ist genauso komplex wie seine vielfältige Geräuschkulisse.

    Verschwindet der Tinnitus innerhalb von 3 Monaten, ist es ein akuter Tinnitus. Bleibt er jedoch auch nach Ablauf dieser 3 Monate bestehen, spricht man von einem chronischen Tinnitus.

    2013 litten laut einer Studie mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland unter dieser Form des chronischen Ohrgeräusches, jedes Jahr kommen ca. 200.000 weitere Bürger hinzu. 

    Während viele Leidtragende des Tinnitus ganz gut mit den ständigen Ohrgeräuschen leben können, haben andere damit starke Probleme, die sich negativ auf ihr Privat- und Berufsleben auswirken.

    Bis heute gibt es keine genaue Erklärung für das Auftreten eines Tinnitus. Häufig werden Stress und Lärm als Hauptursache genannt. Neben Stress und Lärm stehen auf der Ursachenliste noch Krankheiten, wie z.B. Entzündungen und Durchblutungsstörungen oder auch ototoxische (ohrschädliche) Medikamente, wie beispielsweise manche Antibiotika.

    Eine positive Nachricht für alle Betroffenen ist, dass Tinnituspatienten nicht still vor sich hin leiden müssen. Oft können Hörgeräteakustiker oder auch der Ohrenarzt helfen.

    Dies beginnt mit der Suche nach der möglichen Ursache des Tinnitus und der genauen Bestimmung der Frequenz des nervenden Ohrgeräusches. Mit einem Hörtraining, der sogenannten Retraining-Therapie gelingt es häufig, den Tinnitus schlichtweg auszublenden. Hilft dies nicht, gibt es die Möglichkeit einen Tinnitus-Noiser anzupassen, mit dessen Hilfe man durch ein stetiges leises Rauschen vom eigentlichen Tinnitus ablenkt, so dass er den Patienten nicht mehr weiter stört.

    Laut einer Studie leiden ca. sieben von zehn Tinnitus-Patienten zusätzlich unter einer Hörschädigung. Ihnen kann meistens schon mit einem Hörgerät geholfen werden, so löst der Akustiker mit einem Hörgerät gleich beide „Probleme“ des Kunden: Tinnitus und Hörverlust.

  • Trommelfell

    Das Trommelfell ist eine schwingungsfähige Membran, die am Ende des knöchernen Gehörgangs gespannt ist und das Außenohr vom Mittelohr trennt. Das Trommelfell ist 85mm2 groß und wird in zwei Bereiche geteilt: die Pars flaccida und die Pars tensa.

    Der akustisch wirksame Teil, die Pars tensa beträgt 55mm2 und überträgt die Schwingungen des Trommelfells auf die Gehörknöchelchenkette. Der akustische unwirksame Teil, die Pars flaccida, ist nur 30mm2 groß aber übernimmt eine wichtige Dichtungsfunktion für unser Mittellohr.

  • Wecksystem

    Für viele Schwerhörige ist ein herkömmlicher Wecker nicht ausreichend, da sie ihre Hörgeräte nachts herausnehmen. Die speziell für Hörgeschädigte entwickelten Wecker erzeugen Lichtblitze und/oder Vibrationen. Um die Vibrationen  des Weckers zu bemerken, wird ein Vibrationskissen unter das Kopfkissen oder zwischen Kopfleiste und Matratze geklemmt. Alternativ kann auch ein Armband, das vibriert, benutzt werden.